Mediatheken, MediathekView und ein paar Skripte

Geschrieben von Masin Al-Dujaili am Sunday, 2. September 2018

Ich finde die Mediatheken der ÖR ja total toll. Aber für einen Heimmediaserver brauchen die Dateien doch noch ein bisschen Nacharbeit.
 
Die meisten Videos, die mir MediathekView herunterlädt, liegen im MP4-Container vor. Manchmal macht es mir auch eine Matroska-Datei daraus, so wie ich das will. Von denen scheinen aber manche wiederum nicht als solche erkannt zu werden – manche sind tatsächlich nur MP4-Container mit .mkv-Erweiterung, andere werden nur als application/octet-stream erkannt. So richtig rund läuft der Download da nicht.
 
Also bastele ich mir ein paar Skripte, die die MKV-Nachbearbeitung übernehmen. Das erste Skript sorgt erstmal dafür, dass alle Dateien die richtige Dateiendung haben. Manche Videodateien liegen nämlich gänzlich ohne vor, z.B. "Yakari 15. Wo ist dieser verdammte Teamgeist?". Erschwerend kommt hinzu, dass da schon ein Punkt im Dateinamen ist. So ein Skript muss unbeaufsichtigt arbeiten können, also müssen solche Sonderfälle berücksichtigt werden können.
 
Wie schon angedeutet: Wenn ich also eine Matroska-Datei habe und dort auch eine drin ist, kann es immer noch sein, dass sie nicht von allen Programmen als solche erkannt wird. Widerwillige Dateien werden also von einem Format ins selbe "konvertiert". Mit dem richtigen Werkzeug wird auch eine spezifikationsgetreue Datei daraus. Natürlich überschreibt man nicht die Originaldatei, sondern schreibt eine temporäre Datei. Diese wird nach Abschluss an die ursprüngliche Stelle kopiert. Doof, wenn da was schief läuft, dann passiert das nicht. Auch nicht das abschließende Löschen der temporären Datei. Dafür aber das Löschen des Originals, weil man vergessen hat zu prüfen, ob die vorigen Schritte erfolgreich verlaufen sind.
 
Dann stellt man fest, dass manche Dateien unvollständig sind und bei der Konvertierung einen Fehler werfen. Genug, dass das Dateisystem für temporäre Dateien vollläuft. (Die Verluste hielten sich in Grenzen, zumeist nur Bob-Ross-Videos)
 
Das nächste Skript überprüft dann Videodateien darauf, ob es sich um keine Matroska-Datei handelt. Ist das der Fall: Konvertierung ohne Transkodierung – es werden einfach nur die Spuren in einen neuen Container gepackt. Zumeist heißt das, MP4-Videos umzucontainern. Auch hier kann obiger Fehler auftreten. Verluste: keine, nur ein wenig Selbstachtung.
 
Jetzt bietet Arte aber oft auch französische Produktionen an, die ich gerne mit beiden Audiospuren vorliegen hätte. Ohne Handarbeit geht es da nicht wirklich, aber es beschränkt sich darauf, dass ich die Dateien halt "Film (french).mkv" und "Film (deutsch).mkv) nenne. Das dritte Skript erkennt dann die Sprachangabe und bestimmt alle Videodateien gleichen Schemas, aber mit anderen Sprachangaben. Dort extrahiert es die Tonspuren und multiplext sie in eine neue Datei.
 
Es ist mir übrigens total unverständlich, warum nicht die Möglichkeit mehrerer Tonspuren in einer Datei genutzt wird. Nicht nur bei französischen Produktionen auf Arte, sondern auch bei englischen oder amerikanischen auf allen ÖR-Sendern. Ich nutze ja meinen TV-Anschluss schon geraume Zeit nicht mehr, kann mich aber erinnern, dass sogar im analogen Fernsehen gelegentlich Mehrkanalton ausgestrahlt wurde.
 
Das vierte Skript greift sich zuguterletzt die gelegentlich bereitgestellten Untertiteldateien und multilplext sie als Untertitelspur in die Videodatei. Auch hier: Warum wird das nicht gleich so gemacht? Antwort: Weil das Containerformat MP4 –nicht zu verwechseln mit dem Codec MP4; der Container ist ein abgespeckter Quicktime-Container– keine gottverdammten Untertitel zu unterstützen scheint. Ernsthaft. Ich habe mich jetzt nicht sonderlich bemüht, aber ich bin damit gescheitert, dort Untertitel hinein zu mulltiplexen. Es scheint nicht zu gehen. Matroska bietet das problemlos an.
 
MKV ist MP4 in so vielerlei Hinsicht überlegen, da fragt sich der gequälte Leser: Warum wird denn das nicht benutzt? Antwort: Es wird nicht das Beste genutzt, sondern das, was den eigenen wirtschaftspolitischen Interessen am ehesten entspricht. Matroska stammt grob gesagt aus der Filesharer-Community, um die Beschränkungen der kommerziellen Formate aufzuheben. MP4 ist ein Produkt des MPEG-Konsortiums, wo auch Apple drinsitzt, die natürlich ihr Quicktime-Format propagiert haben. Außerdem hat das Konsortium kein Interesse daran, die Bedürfnisse von Powerusern zu befriedigen, sondern die ihrer Mitglieder und Kunden und der kommerziellen Videoproduzenten.
 
Bis hierhin sind die Werkzeuge bash, mediainfo, mkvtoolnix und file. Als Kür und letzten Schritt strebe ich noch an, die resultierende Videodatei mit filebot gleich gemäß Online-Datenbanken wie TheMovieDB oder TheTVDB so zu benennen, dass Plex (ein Heimmediaserver) sie sofort akzeptiert.
 
Wenn das passiert ist, und ich mir also das Programm der ÖR selbst zusammengestellt habe, dann werde auch ich von merkwürdigen Lobby-Verbänden unter TV-Piraterie geführt.

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